Warum visuelle Harmonie im Design entscheidet

KI verändert gerade alles. Binnen Sekunden entstehen hunderte Design-Varianten. Trotzdem wird eine alte Fähigkeit wichtiger: Geschmack. Die Maschine produziert, aber wir müssen entscheiden, was funktioniert.

Anfang der 2000er fing ich als Web Designer in einer Digitalagentur an. Damals sammelte ich Bilder, ohne zu wissen warum. Layouts, die mir gefielen. Farbkombinationen, die stimmten. Ich brauchte Referenzen für neue Projekte – Startpunkte, wenn mir nichts einfiel. Jahre später merkte ich: Ich hatte eine Bibliothek gebaut. Nicht nur Bilder, sondern eine Art zu sehen. Das Sammeln hatte meinen Blick geschärft. Ich konnte besser unterscheiden zwischen dem, was wirkt, und dem, was nur gut aussieht.

Moodboards wurden mein Werkzeug. Nicht nur als Referenz, sondern zum Denken. Sie halfen mir, Richtungen zu finden, Teams zu überzeugen, Ideen zu ordnen. Wenn ich nicht weiterwusste, blätterte ich durch meine Sammlung. Meist fand ich, was ich suchte.

"It really needed a world of its own to kind of take us on this journey with these people."

Neulich schaute ich die neue Staffel "Severance" auf Apple TV. Die Serie fesselte mich seit der ersten Folge. Minimalismus & Symmetrie, geometrische Ordnung, Lange & leere Korridore, eine Farbpalette: Kalt, steril, retro-futuristisch, Architektur & Räume wirken wie Labyrinthe, Statische Kamerafahrten & langsame Bewegungen. Die visuelle Harmonie wird durch die Inszenierung unterstrichen. Dadurch entsteht eine stille Intensität und eine Atmosphäre des Stillstands Das Design ist also Teil der Erzählung. Kürzlich hörte ich den Produktionsdesigner Jeremy Hindle im Interview. Er erklärte, wie wichtig es war, Neues zu wagen, Konventionen zu brechen.

Das ist Geschmack: erkennen, was funktioniert, auch wenn es ungewöhnlich ist. Heute kann KI alles mischen und neu kombinieren. Sie produziert endlos Varianten. Aber sie kann nicht bewerten. Sie weiß nicht, was gut ist. Das müssen wir entscheiden.
Geschmack entwickelt sich durch Aufmerksamkeit. Man sammelt, was einem gefällt. Man fragt sich: Warum wirkt das? Was macht den Unterschied? Langsam entsteht ein Gespür dafür, was stimmt.
Es geht nicht um Trends. Trends vergehen. Guter Geschmack basiert auf Prinzipien: Proportionen, Rhythmus, Balance. Diese Grundlagen bleiben.

Mein Rat: Sammelt bewusst. Nicht alles, was schön aussieht. Sondern das, was euch wirklich bewegt. Fragt euch bei jedem Bild: Was funktioniert hier? Warum fühlt sich das richtig an?
In einer Welt voller Möglichkeiten brauchen wir Menschen, die wissen, welche Möglichkeit die richtige ist. Das ist unser Job als Designer. Das können wir besser als jede Maschine.

Ich nutze dafür das Tool mymind. Alle Notizen, Lesezeichen, Inspirationsartikel und Bilder an einem einzigen, privaten Ort. Eine kleine Auswahl meiner Sammlung findet ihr in meinem Moodboard.

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Christian Knopf, Creative Director

"Ich verbinde Marken mit Emotionen und setze neue Technologien gezielt ein, um einzigartige und durchdachte Projekte zu schaffen."

Als Creative Director und Head of Brand & Communication bei sooii entwickle ich inspirierende Inhalte und maßgeschneiderte Kommunikationslösungen für Premium-Marken aus den Bereichen Architektur, Interior und Design. Mit einem Fokus auf designorientierte und strategische Markenentwicklung vereine ich visuelle Kommunikation und Technologie, um Produkte und Erlebnisse zu schaffen, die den Dialog zwischen Marken und ihrem Publikum auf faszinierende Weise bereichern.

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